KI-Richtlinie oder Kompetenznachweis: Was braucht Ihr Unternehmen?

Viele KMU verwechseln KI-Richtlinie und Kompetenznachweis. Hier ist der genaue Unterschied, was Artikel 4 KI-Verordnung verlangt und was Sie wirklich brauchen.

“Wir haben eine KI-Policy — reicht das?” Diese Frage stellen wir regelmäßig in Erstgesprächen. Die Antwort: Es kommt darauf an, was in der Policy steht. Aber wahrscheinlich nicht.

Der Unterschied in einem Satz

Kompetenznachweis = Kann diese Person KI sachkundig einsetzen? (Pflicht nach Artikel 4)

KI-Richtlinie = Was darf im Unternehmen mit KI gemacht werden? (empfohlen, aber kein Pflichtdokument)

Beide ergänzen sich. Aber sie ersetzen sich nicht.

Was Artikel 4 KI-Verordnung konkret verlangt

Artikel 4 der Verordnung (EU) 2024/1689 verpflichtet Betreiber von KI-Systemen sicherzustellen, dass ihre Mitarbeitenden über ausreichende KI-Kompetenz verfügen — und das zu dokumentieren.

“Kompetenz” bedeutet laut Artikel 3 Nr. 56 der Verordnung: die Fähigkeit, KI-Systeme sachkundig einzusetzen und dabei Chancen, Risiken und mögliche Schäden zu verstehen.

Was das nicht bedeutet: Eine Richtlinie, die vorschreibt, welche Tools erlaubt sind. Das ist sinnvoll, aber es ist keine Kompetenzdokumentation.

Was eine KI-Richtlinie leistet — und was nicht

Eine gute KI-Richtlinie regelt:

  • Welche KI-Tools intern zugelassen sind
  • Welche Daten nicht in externe KI-Systeme eingegeben werden dürfen
  • Wer für den KI-Einsatz verantwortlich ist
  • Wie mit KI-generierten Inhalten umzugehen ist

Was sie nicht leistet: Sie belegt nicht, dass Ihre Mitarbeitenden KI verstehen und sachkundig einsetzen können. Eine Richtlinie, die niemand kennt oder die nie erklärt wurde, ist kein Nachweis über Kompetenz.

Wann reicht die Richtlinie — und wann brauchen Sie den Nachweis?

SituationRichtlinieKompetenznachweis
Interne Nutzungsregeln festlegen✓ notwendignicht nötig
Artikel 4 KI-Verordnung erfüllennicht ausreichend✓ notwendig
Ausschreibungen mit KI-Governance-Anforderunghilfreich✓ entscheidend
Audit durch Behörde oder Zertifiziererhilfreich✓ entscheidend
DSGVO-Absicherung bei KI-Fehler✓ wichtig✓ wichtig

Die Kombination, die funktioniert

Unser Empfehlung für KMU: Beides, aber in der richtigen Reihenfolge.

  1. KI-Training mit Kompetenznachweis — erfüllt Artikel 4, schult das Team mit echten Use Cases
  2. KI-Richtlinie — entsteht idealerweise im oder nach dem Training, weil das Team dann weiß, was sinnvoll geregelt werden muss

Im KWAIX-Training ist das KI-Policy-Template inklusive: eine Vorlage, die Sie an Ihr Unternehmen anpassen können. Kein Rechtsanwalt nötig für den Start — aber für verbindliche Rechtsberatung empfehlen wir eine anwaltliche Prüfung.